So manch einer wird unter den Reaktionen auf das erste Tattoo von der Verwandtschaft vielleicht Skepsis oder gar Enttäuschung sehen, aber woran liegt das? Nicht selten sind diese Reaktionen auf sogenannte Knast-Tattoos zurückzuführen – kurzum also ein Stereotyp. Auch, wenn dieser langsam verschwindet, ist es dennoch sinnvoll, die gängigen Knast-Tattoos und deren Bedeutung zu kennen, denn der Symbolgehalt wiegt hier besonders schwer. Du solltest diese Hintergründe kennen, bevor du dir ein verwandtes Motiv stechen lässt, denn manche dieser Tattoos sprechen eine deutliche Sprache.
Was ist die Bedeutung von Knast-Tattoos? Zwischen Tradition, Abgrenzung und Positionierung
Kriminalität und Tattoos – das gehört für viele Menschen zusammen. Doch warum ist das eigentlich so? Interessanterweise existiert dieser Zusammenhang nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern und das aus den unterschiedlichsten Gründen:
- Die Piraten, die in der Karibik ihr Unwesen trieben, ließen sich teils aus Aberglauben und als Abgrenzung tätowieren. So sollten manche Motive garantieren, dass man wieder heil nach Hause zurückkehrte, während andere ein klares Zeichen nach außen setzten und abschreckten.
- Die Maori Tattoos sind im Ursprung nicht kriminell motiviert, sondern ein kultureller Bestandteil der Ureinwohner Neuseelands, mit denen diverse Informationen kommuniziert werden konnten – darunter Zugehörigkeit, Heldentaten, sozialer Stand, etc. Durch die Ausgrenzung der Einheimischen wurden diese Menschen teils in die Beschaffungskriminalität gezwungen, wodurch deren Tattoos ebenfalls eine negative Konnotation bekamen.
- In Japan werden Tattoos vornehmlich mit der Yakuza – der japanischen Mafia – assoziiert, weshalb Menschen auch hier ein negatives Bild von der Körperkunst haben. Tattoo-Stile spielen auch in diesem Zusammenhang eine Rolle, um Clans beispielsweise abzugrenzen.

Über die Jahrzehnte entwickelten Insassen in Gefängnissen schlussendlich die sogenannten Knast-Tattoos, die in ihrer Bedeutung vielfältig und oft tief mit der Kultur und den Traditionen des jeweiligen Gefängnisses oder der Herkunft des Trägers verwurzelt sind. Aus dieser Improvisationsnot im US-amerikanischen Strafvollzug heraus entstanden unter anderem die heute weltweit geschätzten Black and Grey Tattoos, bei denen mangels professioneller Farben Ruß und Tinte mit Wasser zu feinen Graustufen verdünnt wurden.
Ein häufiges Motiv in russischen Knast-Tattoos ist der Stern. Dieser wird oft auf den Schultern oder Knien tätowiert und symbolisiert Autorität und Respekt innerhalb der Gefängnisgemeinschaft. Auch die „Madonna mit Kind“ ist ein beliebtes Symbol, das unterschiedlich gedeutet werden kann. Beispielsweise kann es für einen sehr jungen Straftäter stehen oder auch die Loyalität gegenüber einer Familie, einem Clan oder einer Bande ausdrücken. Bei Knast-Tattoos sind kirchliche Motive im Allgemeinen keine Seltenheit.

Gefängnis-Tattoos – die Bedeutungen der häufigsten Motive
Auch, wenn ein Knast-Tattoo viele Bedeutungen hat und oftmals nur mit der vollständigen Geschichte des Straftäters richtig gedeutet werden kann, wollen wir als dein Tattoo-Studio bei Frankfurt einmal einen genaueren Blick auf die bekanntesten Motive werfen.
Tränen-Tattoo
Ein weit verbreitetes Knast-Tattoo ist das Tränen-Tattoo unter dem Auge. Die Bedeutung dieses Tattoos kann variieren, aber es wird oft als Symbol für Mord oder den Verlust eines nahestehenden Menschen interpretiert. In manchen Kulturen steht jede Träne für eine bestimmte Tat oder für die Anzahl der Jahre, die jemand im Gefängnis verbracht hat.
Spinnennetz-Tattoo
Das Spinnennetz-Tattoo, das meist an Ellbogen oder Knien zu finden ist, symbolisiert oft die Gefangenschaft und das Gefühl, in einem System gefangen zu sein. Dieses Knast-Tattoo kann auch auf die Zeit hinweisen, die der Träger im Gefängnis verbracht hat, wobei jedes Netz für ein Jahr stehen kann.
Drei Punkte
Das Dreipunkt-Tattoo wird mehrheitlich an der Hand oder im Gesicht getragen. Es steht für „Mi Vida Loca“ (Mein verrücktes Leben) und symbolisiert das Leben in Banden. Diese visuelle Sprache ist eng verwandt mit den Traditionen der Chicano Tattoos, die ihren Ursprung ebenfalls in den mexikanisch-amerikanischen Subkulturen und Streetgangs der US-Westküste haben. In manchen Fällen stehen die Punkte auch für die Prinzipien „Schweigen, Gehorsam, Loyalität“.

Kreuz auf den Knien
Ein Kreuz auf den Knien ist ein Zeichen des Ungehorsams gegenüber der Autorität. Es bedeutet, dass der Träger niemals vor der Polizei oder anderen Autoritäten knien wird. Dieses Tattoo ist besonders in russischen Gefängnissen verbreitet und zeigt den starken Widerstand und die Ablehnung von Autorität durch den Träger.
DDR-Knast-Tattoos – ein Stück Geschichte
In der ehemaligen DDR hatten Knast-Tattoos eine eigene Symbolik. Ein Beispiel dafür ist der „Tunnel“, ein Motiv, das den Wunsch nach Flucht und Freiheit symbolisierte. Diese Tätowierungen waren oft einfach und mit improvisierten Werkzeugen gestochen, was ihre rohe und unpolierte Ästhetik unterstreicht.
Zeitgleich waren die Träger dieser Tattoos auch einfach als systemkritisch zu identifizieren und genau dieser Aspekt ist oftmals ein zentraler und treibender Gedanke hinter Knast-Tattoos. Es geht darum, durch Tattoos die eigene Geschichte zu erzählen und diese auf der Haut festzuhalten – in der DDR ging es in diesem Zusammenhang vor allem um den Wunsch nach Freiheit.
Knast-Tattoos – gebrandmarkt oder schockierend?
Knast-Tattoos sind weit mehr als nur Kunstwerke auf der Haut. Sie erzählen Geschichten von Lebenserfahrungen, Kämpfen und Überzeugungen der Träger. Die Bedeutung von Knast-Tattoos kann von Gefängnis zu Gefängnis und von Kultur zu Kultur variieren, aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind ein starkes Ausdrucksmittel und ein Teil der Identität der Häftlinge.
Viele der sogenannten Knast-Tattoos, die wir hier besprochen haben, können vielleicht zunächst interessant oder reizvoll auf den ein oder anderen wirken, aber es ist wichtig zu wissen, welche Implikationen du mitunter mit solchen Motiven mitteilst. Denke vor deinem Tattootermin immer daran, eine ordentliche Recherche durchzuführen und vielleicht auch mit deinem Tätowierer Rücksprache zu halten. Dieser kann dich professionell beraten und dir helfen, dein Motiv optimal umzusetzen.
